|
|
 |
 |
 |
 |
|
Trainer spendiert Team Schnittchen
VON ANDREAS RICHTER, 21.11.11
 Robert Romero (l.) und Tobias Seifert hatten mit Anteil, dass der Wittenberger MTV endlich seinen ersten Saison-Heimsieg erkämpfte. (FOTO: ACHIM KUHN)
WITTENBERG/MZ. Bei den Regionalliga-Volleyballern des Wittenberger MTV gibt es eine kleine Tradition. Immer wenn zu Hause ein Sieg erkämpft wird, spendiert der Trainer was Leckeres für den Gaumen. Bislang musste sich Coach Ulf Jonas darum jedoch in der aktuellen Meisterschaftsserie keine Gedanken machen. Der MTV verlor alle Partien in der Lutherstadt. Am vergangenen Sonnabend sah dies aber endlich einmal anders aus. Denn mit dem 3:0-Erfolg über den Berliner VV war der erste Saisongewinn in eigener Halle perfekt. Und Jonas rückte wie versprochen gern die für diesen Fall fällige Belohnung heraus.
Der Sieg markiert zugleich das Ende einer längeren Durststrecke. Denn zuletzt lief es nicht so rund für die Wittenberger. Nach den beiden letzten Niederlagen und dem Absturz in den Tabellenkeller dachte Jonas sogar zwischenzeitlich an Rücktritt. Dieses Thema ist nun endgültig vom Tisch. Die Mannschaft, die Ulf Jonas vor einer Woche öffentlich ihr Vertrauen ausgesprochen hatte, demonstrierte am Sonnabend, dass sie auch sportlich angreifen will und kann.
Zum Auftakt der Begegnung wurde sofort sichtbar, wohin der MTV-Express an diesem Tag rollen sollte. Die wuchtigen Angriffe des Berliner VV erzielten keine Wirkung, der amtierende Vizemeister setzte sich über die Stationen 13:4 und 19:6 zugleich deutlich ab, demonstrierte unbedingten Siegwillen. Ulf Jonas lobt vor allem den Block, "der an diesem Abend herausragend und felsenfest stand" und so wesentlich zum 25:18-Satzergebnis beitrug.
Im zweiten Durchgang zunächst das gleiche Bild: Die Hausherren standen von Beginn an geschlossen am Netz, lagen 11:8 vorn. Danach gab es eine kleine Schwächephase. Die nutzten die Hauptstädter sofort aus, kämpften sich gefährlich nah auf 16:15 heran. Grund für den Coach, eine Auszeit zu nehmen. "In der habe ich allen ganz klar gesagt, sich nicht verrückt machen zu lassen. Dieser Satz ist unser." So kam es dann auch. Der MTV vermied hektische und nervöse Aktionen, setzte sich am Ende auf 25:19 ab.
Danach folgte bei den Wittenbergern wieder das große Kopfschütteln. Wie so oft brach das Team zu Beginn ein. "Ich weiß nicht, woher das Zittern in Satz drei kommt. Deswegen habe ich dagegen bislang kein Rezept gefunden." Denn plötzlich schien der Sieg in Gefahr. Der VV lag plötzlich 9:1 vorn. Jonas nutzte die Option Auszeit, um mit seinen Jungs Klartext zu reden. "Ich habe deutlich gemacht, dass die Berliner nur deshalb in Führung liegen, weil wir ihnen die Möglichkeit bieten und nicht, weil sie besser sind. Nur mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung ist ein weiteres Davonziehen des Gegners zu unterbinden."
Worte, die die MTV-Akteure beherzigten. Die Aufholjagd leitete Angreifer Arwed Eilitz ein. Mit einer sechsfachen Aufschlagserie kaufte er den Berlinern den Schneid ab, danach lief es immer besser. Beim 20:19 lag der MTV erstmals in diesem Satz vorn. Vielleicht war am Ende auch ein bisschen Glück (das dem Team laut Coach in den vergangenen Partien immer wieder etwas fehlte) dabei, um letztlich mit 25:23 die Nase vorn zu haben.
Nach dem Abpfiff wurde noch auf dem Parkett kräftig gefeiert. Zu recht, wie der Trainer findet. "Da haben sich einige Ventile geöffnet, die Freude war nachvollziehbar." Durch den Heimsieg haben sich die Wittenberger in der Tabelle von Rang neun auf Platz sieben verbessert. Ausruhen kann man sich jedoch nicht, zu eng sind die Abstände im Klassement noch. "Auch die kommenden Begegnungen sollten gewonnen werden", so das Motto.
|
 |
 |
|
Mannschaft bezieht Stellung VON THOMAS TOMINSKI, 07.11.11

Hat der Schmetterball von Sebastian Kluge die Netzantenne berührt? Kapitän Mario Mollenhauer erkundigt sich beim Schiedsrichter. (FOTO: A. KUHN)
WITTENBERG/MZ. Das Wichtigste vorweg: Ulf Jonas bleibt Trainer der Regionalliga-Volleyballer des MTV Wittenberg. Die Mannschaft sprach sich in einer internen Sitzung für den Coach aus und suchte die Fehler in den eigenen Reihen. Jonas hofft, dass nach diesem Vertrauensbeweis Ruhe in das Team einkehrt. "Ich stand natürlich auch in der Kritik", erklärt der 43-Jährige, doch die Äußerungen haben sich "in Grenzen gehalten". Jetzt gehe es darum, wieder am Spaß am Volleyball zu finden. Zum Thema Saisonziel gibt es keinen neuen Stand. "Wir legen uns nicht fest", meint der Coach, es müsse auch mal ohne Ziel gehen.
Gegen den TKC Wriezen (2:3) ist der MTV von Anbeginn bemüht, die Negativserie zu beenden. Jonas gibt seinem Stammsechser, der gegen Rotation Prenzlauer Berg (0:3) kläglich versagt hat, die Chance zur Wiedergutmachung. Die Mannschaft beweist, dass sie bei der Aussprache nicht nur leere Sprechblasen produziert hat. "Die Leistungssteigerung war deutlich", sagt der Trainer rückblickend. Wittenberg tritt endlich wieder als Team auf. Annahme und Block spielen auf hohem Niveau, Ballverteiler Robert Romero setzt die Angreifer gekonnt in Szene. Über die Stationen 10:5 und 20:17 hinweg ist der erste Satz schnell in Sack und Tüten (25:22.). "Das gab es nichts zu Meckern", so Jonas.
Tolle Ein-Mann-Show
Nach dem Wechsel folgt die Ein-Mann-Show von Arwed Eilitz. Neun Aufgaben knallt der MTV-Angreifer der Wriezener Annahme um die Ohren, beim Stand von 10:1 ist eine kleine Vorentscheidung gefallen. Der TKC müht sich zwar nach Kräften, nicht völlig unterzugehen (15:11), doch ein 25:14 ist wie im Fußball 4:0. In der Pause versucht Jonas, seine Jungs auf Kurs zu halten. Der dritte Satz ist seit Jahren das Sorgenkind beim MTV. Mit dem Ziel erstes Heimsieg in dieser Saison vor Augen, gingen die Hausherren sehr engagiert zu Werke und erkämpfen sich eine 7:5-Führung.
Ball touchiert Antenne
Dann ist es mit der Herrlichkeit vorbei. Das Team aus dem Land Brandenburg setzt die ersten Akzente und dreht den Spieß um (18:15). Diesmal schlägt der MTV zurück und steht eigentlich schon mit beiden Beinen auf der Siegerstraße (24:23). Die etwa 100 Zuschauer haben sich bereits ihre Jacken angezogen und sind gedanklich beim Sonntagskaffee. Noch ein Punkt! Aufschlag Wriezen, Schmetterschlag Sebastian Kluge - Fans und Spieler reißen die Arme in die Höhe. Die Schiedsrichter auch. Diese signalisieren: Punkt für Wriezen. Der Ball soll die Netzantenne touchiert haben. Jonas schwört, dass dieser "mindestens einen halben Meter" weg war. Das Match beginnt zu kippen. Der Tabellenvierte TKC gewinnt den dritten Durchgang 27:25 und ist jetzt psychologisch im Vorteil.
Zweiten Tie-Break verloren
Nach dieser Schiedsrichterentscheidung geht es mit den Wittenbergern bergab. Nicht gleich, aber stetig. Raik Zischkale und Tobias Seiffert bringen nicht mehr jeden Angriff durch, der Gäste-Block hat sich auf die MTV-Aktionen eingestellt. Aus einem 9:12-Rückstand machen die Wriezener eine 21:17-Führung und lassen in der Schlussphase nichts mehr anbrennen (25:20). Für die Gastgeber ist es der zweite Tie-Break in dieser Saison. Den ersten haben die Jonas-Schützlinge gegen den amtierenden Regionalmeister VC Mitteldeutschland II verloren, diesmal soll alles anders werden. Der MTV erwischt den besseren Start. Beim letzten Wechsel haben die Lutherstüdter 8:6 die Nase vorn. Danach spielt die Jonas-Truppe wie ausgewechselt. Der Gegner macht sechs Punkte in Folge und vermiest den Hausherren die Vorfreude auf den sicher geglaubten Sieg. Der amtierende Vizemeister gibt in der Schlussphase alles. Doch egal, in welche Richtung der Block springt, der Ball landet beharrlich im Seiten-Aus (12:15).
Nach dem Schlusspfiff ist bei den Wittenbergern die Stimmung auf dem Nullpunkt. Einsatz, Teamgeist und spielerische Qualität haben gestimmt, doch die Punkte hat der Gegner einkassiert. Am 19. November startet der MTV den nächsten Versuch, in dieser Saison den ersten Heimsieg zu landen. Der Gegner in der Stadthalle ist der amtierende Regionalpokalgewinner Berliner VV. "Die müssen wir packen", meint Jonas.
|
 |
 |
|
Krisenrunde nach Talfahrt
VON THOMAS TOMINSKI, 04.11.11

Die Regionalliga-Volleyballer des MTV Wittenberg treffen am Sonntag um 15 Uhr in der Stadthalle auf TKC Wriezen. Ballverteiler Robert Romero erhält wieder Unterstützung von Thomas Aleithe. (FOTO: THOMAS KLITZSCH)
WITTENBERG/MZ. Der erste Krisengipfel ist Geschichte. "Nach der Ankündigung, dass ich über meinen Rücktritt nachdenke, klingelte bei mir pausenlos das Telefon", sagt Trainer Ulf Jonas. Die Art und Weise, wie die Mannschaft sich in den letzten Wochen präsentiert hat, habe ihn veranlasst, zur Reißleine zu greifen. "Der MTV Wittenberg steht kurz davor, seinen guten Ruf in der Regionalliga zu verlieren. Wir sind nicht irgendwer, sondern der Vizemeister." Jonas lässt keine Ausreden mehr gelten.
Auch die nicht, dass die MTV-Volleyballer seit dem Saisonstart mit Verletzungsproblemen zu kämpfen haben. Aus dem Stammsechser, der nach der Serie 2010 / 11 knapp den Sprung in die 2. Bundesliga verpasste, fehlt aktuell nur Peter Hoffmann, der nach seiner Schulteroperation noch mehrere Monate ausfällt. "Auch diese Tatsache habe ich am vergangenen Dienstag angesprochen", erklärt Jonas, der nun auf eine Reaktion des Teams wartet. "So schlecht sind wir nicht besetzt. Mir stehen zehn gesunde Spieler zur Verfügung." Der Coach räumt aber ein, dass die Neuzugänge Thomas Mellin, Christian Bückmann und Dirk Raunitzschka noch kein Regionalliga-Niveau besitzen und die Last der Verantwortung nicht auf mehrere Schultern verteilt werden kann. "Die Mannschaft muss sich jetzt klar positionieren. Der Ist-Zustand ist unbefriedigend."
Am Sonntag um 15 Uhr stehen die Wittenberger Volleyballer (8., 4:8 Punkte) in der Stadthalle dem TKC Wriezen (4., 6:4) gegenüber. Das Team aus dem Land Brandenburg gehört nicht unbedingt zu den Lieblingsgegnern des MTV. In der vergangenen Serie ging jedes Team zu Hause als 3:2-Gewinner vom Parkett, die Jonas-Truppe hatte zwischenzeitlich stets 2:0 die Nase vorn. Das Ziel der Gastgeber ist klar: endlich den ersten Heimsieg in dieser Serie einfahren. "Das sind wir unserem Publikum schuldig", meint der Coach, der weiß, dass er seine Jungs vor dem Match gegen Wriezen nicht besondern motivieren muss. "Es gibt immer ein paar verbale Attacken unter der Netzkante hindurch. So richtig kommen wir mit Wriezen nicht klar." Libero Steffen Fleischer hat seine Fingerverletzung auskuriert, Zuspieler Thomas Aleithe steht ebenfalls wieder zur Verfügung. "Jetzt haben wir noch mehr Alternativen."
|
|